Tapeten-Experiment "Ich verliere mein Antlitz" von Julia Kortus - zu sehen auf der kommenden Comfortex. (Foto: Kevin Fuchs und Yana Wernicke)

Comfortex

"Geheime Liebschaften" und Tapeten, die sich auflösen

Einen wahren "Leckerbissen" verspricht Bettina Göttke-Krogmann, Professorin für Textildesign an der Kunsthochschule Halle, Burg Giebichenstein: Im Sommersemester 2011 haben sich ihre Studentinnen mit dem Thema "Wände" auseinandergesetzt - die verblüffenden Resultate werden auf der Comfortex vom 3. bis 5. September in Leipzig präsentiert. Göttke-Krogmann ließ bei der Beschäftigung mit dem Raum freie Hand, sie sollten Neues wagen und experimentieren. Die einzige Vorgabe war: "Es muss an die Wand". Auf diese Weise entstanden überraschende Kompositionen, die nicht nur ästhetischen Ansprüchen genügen, sondern auch für einen Aha-Effekt sorgen.

Unter dem Titel "Textil-Betont" haben beispielsweise Frauke Maler und Sylvia Riegger Beton als textilfremden Werkstoff gewählt und ihn mit Strick in knalligen Farben kontrastiert. Dem Prinzip von Irritation und Nachahmung folgend, wirkt der in Beton gegossene Strick als strukturierendes Element. Dadurch wird ein robuster 3-D-Effekt erzeugt, den sich die beiden Künstlerinnen besonders gut in öffentlichen Räumen wie Cafés oder den Foyers von Design-Hotels vorstellen können.

"Geheime Liebschaften" nennt Katharina Jebsen ihre Tapetenkollektion, die eine träumerisch leichte Atmosphäre schafft und die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen weckt. Die schlichte Eleganz der einfachen, anmutigen Flächen aus Feng Shui- und asiatischem Reispapier wird durch die Wahl zarter Weiß- und Cremetöne betont. "Weniger ist mehr" war das Motto von Jebsen, das sie luftig an die Wand gebracht hat.

Julia Kortus hatte eine außergewöhnliche Wunschvorstellung. Ihre Tapete (Foto) sollte sich langsam auflösen und so nach einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren Platz für neue Ideen an der Wand schaffen. Nach unzähligen Experimenten ist ihr dieses Vorhaben gelungen. Durch die Verwendung eines besonderen Materials, das sonst in der Stickerei genutzt wird sowie extra entwickelten Kleister und Druckfarben löst sich der Stoff durch den Kontakt mit Luftfeuchtigkeit sukzessive auf. Aufgedruckt sind zufällig angeordnete Buchstaben, die in der richtige Reihenfolge den Satz ergeben. "Ich verliere mein Antlitz."

Trotz aller Unterschiedlichkeit der Entwürfe sieht Professorin Göttke-Krogmann etliche Gemeinsamkeiten: "Alle Studentinnen spielen mit dem Unberechenbaren, dem Launenhaften. Ihre Arbeiten spiegeln deshalb auch den Zeitgeist wider. Die Auflösung bekannter Strukturen und gesellschaftlicher Sicherheiten wird darin ebenso deutlich wie die Suche nach neuen Wegen auf unbekanntem Terrain."

Der Studiengang Textildesign kann in acht Semestern in Halle studiert werden. Ziel ist es, Textildesigner mit eigener künstlerischer Handschrift ausbilden, die in der Lage sind, in innovativen Konzepten Individualität, handwerkliche Qualität, Problembewusstsein und technisches Know-how zu verbinden. (Foto: Kevin Fuchs und Yana Wernicke von der Ostkreuzschule in Berlin).

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