Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes ZGV, sorgt sich um die wirtschaftliche Talfahrt im Mittelstand.

Der Mittelstandsverbund ZGV

Zu erwartende Konjunktureinbrüche bestätigen sich in Umfrage

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Mittelstand? Die Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes unter seinen Mitgliedern hat ergeben: Die wirtschaftliche Lage ist im ersten Quartal 2020 deutlich eingebrochen, der Ausblick für das weitere Jahr 2020 pessimistisch. Rund 46  Prozent der Kooperationen registrierten sinkende Umsätze. Zum Vergleich: Im 4. Quartal 2019 sprachen weniger als ein Viertel von einem Rückgang. 82,4 Prozent rechnen zudem im weiteren Jahr 2020 mit sinkenden Umsätzen. Konkret bedeutet das: Mehr als ein Viertel der Unternehmen geht von Ausfällen bis zu 10 Prozent aus, gleichzeitig befürchtet nahezu die Hälfte Einbußen bis zu 30 Prozent. Rund 15 Prozent prognostizieren sogar Einbrüche von bis zu 50 Prozent. 

Ein fast identisches Bild zeigt sich auch bei den Erträgen: Aller Voraussicht nach stürzen diese bei 86,5 Prozent der Kooperationen im weiteren Jahresverlauf ab. Und was bedeutet die Corona-Krise für Investitionsvorhaben? Bewegten sich im ersten Quartal knapp zwei Drittel zumindest auf stabilem Investitionsniveau, verkehrt sich auch hier das Bild. Mehr als 58 Prozent der Verbände rechnen im weiteren Jahr mit einer Abwärtsbewegung. 

Die Auswirkungen auf die Beschäftigten bleiben nicht aus. So rechnen im Vergleich zum ersten Quartal (14,9 %) fast doppelt so viele Verbundgruppen im weiteren Jahr 2020 mit sinkenden Mitarbeiterzahlen (29,7 %). Ein Abwärtstrend zeigt sich auch bei der Mitarbeiterzahl der Anschlusshäuser. 21,6 Prozent dieser planen im weiteren Jahresverlauf mit weniger Mitarbeitern (Vorquartal 9,3 %). Nur eine verschwindend geringe Zahl will weitere Stellen schaffen. „Dies ist ein Spiegelbild der pandemiebedingten Handlungseinschränkungen. Eine Mehrzahl sah sich in dieser Starre sogar gezwungen, das im Mittelstand extrem unbeliebte Instrument der Kurzarbeit einzuführen. Versteht dieser sich doch generell als Jobmotor der Wirtschaft.“, so Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes. 

74 Verbundgruppen mit rund 77.000 angeschlossenen Unternehmen aus 18 Branchen haben sich an der Umfrage beteiligt – darunter waren etwa Küchen und Möbel, Konsumelektronik, Schuhe und Textil, das Bauhandwerk sowie Lebensmittel und Getränke. 

„Wir erleben im Mittelstand derzeit eine wirtschaftliche Talfahrt mit bedrohlichem Ausmaß. Das schlimmste daran ist: Für viele Unternehmen ist noch kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Die Perspektive fehlt. Darf eine gewisse Anzahl an Geschäften je nach Bundesland wieder öffnen, bleibt diese Möglichkeit einer großen Zahl der Betriebe verwehrt. Problematisch für die Akzeptanz sind insbesondere sachfremde Bemessens-Kriterien – etwa die 800 Quadratmeter-Regelung. Denn es gibt keinerlei Kausalität zwischen der Verkaufsfläche und den gesundheitlichen Effekten. Sinnvoller wäre eine maximale Kundenzahl pro Verkaufsfläche“, sagt Veltmann weiter. 

Eine Abwägung mit nicht nachvollziehbaren und nicht transparenten Kriterien erzeuge vielfältig Unverständnis – insbesondere vor dem Hintergrund der sehr vielgestaltigen Auslegungen der politischen Beschlüsse durch die Bundesländer. Missverständnisse und Ärger seien vorprogrammiert. „Länderübergreifende Standards böten hier die Chance für eine gezielte Unterstützung des Mittelstandes, etwa durch die meist bundesweit agierenden Verbundgruppen.“ 

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