Analysierten mit Zahlen und Fakten die aktuelle und künftige Situation der Küchenbranche (v.l.): AMK-Vorstandssprecher Frank Jüttner, AMK-Geschäftsführer Volker Irle, Vorstandssprecher Markus Sander und Markus Wagenhäuser, Dir. MDA Market Intelligence GfK.

AMK

Unsicherheiten im Küchenverkauf steigen

Dass 2021 ein gutes Küchenjahr war, hat sich bereits durch die Bilanzen des Industrieverbands VdDK und einzelner Unternehmen gezeigt. Zur traditionellen Wirtschaftspressekonferenz im Kölner Messehochhaus lieferte die AMK dazu heute weitere Zahlen für die Branche, einschließlich der Entwicklung im Handel. So sind die Verkaufsumsätze mit Küchenmöbeln nach Berechnungen der GfK hierzulande im abgelaufenen Jahr um 10 Prozent nach oben geklettert. Dass die Verkaufsmenge im Vergleich dazu nur um 3 Prozent zugelegt hat, sei außer den allgemeinen Preisanpassungen an die Kosten wiederum der anhaltend steigenden Nachfrage nach höherwertigen Küchen zu verdanken, wie AMK-Geschäftsführer Volker Irle resümierte. Gleiches spiegelt sich bei den Elektrogeräten wider, die laut GfK ihren Umsatz um 5 Prozent verbessert haben, obwohl die Menge sogar um rund 3,5 Prozent zurückgegangen ist. Besonders stark entwickelten sich Einbaukochfelder (+11,2%) und Einbaukühlgeräte (+11,6%).

Insgesamt legten die Auftragswerte 2021 um 6,8 Prozent zu, sodass der Durchschnitt nun bei 10.337 Euro VK liegt, also immerhin um 659 Euro höher als 2020. Allein die Premiumküchen über 20.000 Euro, die rund ein Fünftel des Marktes ausmachen, haben nochmals 28 Prozent mehr Umsatz eingebracht, wie Markus Wagenhäuser, Director MDA Market Intelligence GfK, heute in Köln betonte. Während Küchen unter 10.000 Euro zugleich um 4,2 Prozent verloren haben. Bei Geräten sei die Energieeffizienz (gerade nach den jüngst verschärften Label-Anforderungen) ein starkes Verkaufsargument. Die steigende Akzeptanz, im Home Office zu arbeiten, sorge laut Umfrage auch für ein erhöhtes Interesse, zu Hause zu kochen (bei 65%).

Die Entwicklung sei besser als gefühlt und trotzdem fragil, stellte dazu Frank Jüttner (Miele) als neuer AMK-Vorstandssprecher fest. Zwar ging die IWF-Prognose im April noch von 3,6 Prozent Wirtschaftswachstum aus, was den immer wichtiger werdenden Export stützt, doch vor allem die hohe Inflation (bei einer Quote von 6,6 Prozent oder mehr) stelle den gewohnten Erfolgskurs infrage. Bis April 2022 war jedoch die Umsatzlage in der Küchenmöbelindustrie noch sehr stabil. Hierzulande lassen bislang weiterhin hohe Auftragseingänge (+15,69% bis Ende Mai) bzw. der aufgelaufene Auftragsstau auf einen guten Jahresabschluss hoffen.

Wie es allerdings im kommenden Jahr aussieht, bleibt die große Frage. Dies führte AMK-Vorstandssprecher Markus Sander (Häcker-GF) anhand einzelner Faktoren aus. So wird für Europa erwartet, dass künftige Lohnerhöhungen die Inflation nicht ausgleichen werden. Und der Ukraine-Krieg dämpft bereits deutlich das Konsumklima. Chancenbieten weiterhin die hohe Bedeutung des eigenen Zuhauses, niedrige Arbeitslosigkeit und die Baukonjunktur, wenn denn nicht steigende Zinsen die Finanzierung erschweren. Derzeit gebe es allerdings noch hohe Bauüberhänge, die erfahrungsgemäß in eine gute Küchennachfrage münden. Herausforderungen für die Industrie bleiben künftig auch die Rohstoff- und Transportkosten sowie die volatile Lieferkette. Aber vor allem die bislang nicht abzusehende Inflationsrate sorge für erhebliche Unsicherheiten beim künftigen Küchenabsatz. Deshalb sei für die Branche derzeit Resilienz das Schlüsselwort der Stunde, um sich von einseitigen Abhängigkeiten zu schützen.

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