Dr. Marc Zgaga, Geschäftsführer der Mittelstandsverbund - ZGV fordert die Politik auf, schnell zu handeln.

Der Mittelstandsverbund ZGV - Interview mit Dr. Marc Zgaga

Taskforce „Liquidität für den Mittelstand“ gegründet

Nachdem der Bundesrat am Freitag dem rund 750 Mrd. Euro schweren Hilfspaket zugestimmt hat, mit dem die Folgen der Coronakrise abgemildert werden sollen, fordert der Mittelstandsverbund ZGV nun eine rasche Umsetzung. Die "möbel kultur" fragte bei Geschäftsführer Dr. Marc Zgaga nach, wie die Situation im Möbelhandel aussieht und welche Maßnahmen jetzt eingeleitet werden müssen.

moebel kultur: Seit 18.3. sind die Einrichtungshäuser in Deutschland geschlossen. Was hören Sie jetzt aus den Möbelverbänden?

Dr. Marc Zgaga: Wie in fast allen Branchen des Einzelhandels sind auch die Verbundgruppen des Küchen- und Einrichtungssegments aktuell in größter Sorge um ihre Anschlusshäuser, bei denen aufgrund der Corona-bedingten Geschäftsschließungen von heute auf morgen die Umsätze weggebrochen sind. Besonders betroffen sind dabei die rein stationären Händler. Während es bis zum 18.03.2020 noch überwiegend um Fragen der Lieferkette, insbesondere um Lieferverzögerungen durch den Ausfall der Vorlieferanten aus China, der transparenten Übermittlung von aktualisierten Lieferterminen sowie um die Warenannahme ging, steht seit den Publikumsschließungen der Geschäfte ein zentrales Thema im Vordergrund: die fehlende Liquidität, die kurzfristig wieder hergestellt werden muss. 

möbel kultur: Was sind die häufigsten Fragen, die an den Mittelstandsverbund gestellt werden?

Dr. Marc Zgaga: Die Fragen, die uns erreichen, sind sehr breit gefächert und betreffen sowohl den rein praktischen Umgang mit der außergewöhnlichen Krisen-Situation im Unternehmen, als auch sämtliche betriebswirtschaftlichen Bereiche, darunter Allgemeine Informationen und Leitfäden zum innerbetrieblichen Verhalten im Epidemiefall, Anleitungen zur Beantragung und Durchführung von Kurzarbeit und der Stundung von Sozialversicherungsabgaben, Voraussetzungen für Steuerstundungen und Vorschussreduzierungen, staatliche Hilfsprogramme wie z.B. KfW-Kredite und Soforthilfen. Zu all diesen Themen hat Der Mittelstandsverbund verschiedenste Unterstützungsmaßnahmen aufgesetzt, angefangen von der Handlungsanleitung über Leitfäden, Checklisten, Muster-Formulare bis hin zu maßgeschneiderten Webinaren und Video-Streams für den Handel.

möbel kultur: Was sind aktuell die größten Probleme?

Dr. Marc Zgaga: Bund und Länder haben sich am 22.03.2020 auf gemeinsame Leitlinien geeinigt, die auf eine nochmalige Verschärfung der bereits zuvor beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hinauslaufen. Im Kern handelt es sich dabei um ein weitreichendes Kontaktverbot für den öffentlichen Raum. Das Problem: Die Bestimmungen der einzelnen Bundesländer in den entsprechenden Verordnungen und Allgemeinverfügungen unterscheiden sich teilweise inhaltlich voneinander; einzelne Länder gehen z.B. über die Leitlinien hinaus und haben explizite Ausgangsbeschränkungen verfügt. Auch die Möbelbranche ist hier nicht einheitlich geregelt. Während etwa Küchenstudios in einigen Bundesländern als „Mischbetriebsformen“ geöffnet bleiben dürfen, gilt dies in anderen Bundesländern nicht. Dieser durch den Föderalismus verursachte „Flickenteppich“ ist in der aktuellen Situation besonders ärgerlich, wirft er doch bei vielen Unternehmen zu Recht Fragen und Unverständnis hervor.

Das wesentlichste Problem aktuell ist aber die fehlende Liquidität, was im Übrigen nicht nur für die Möbelbranche gilt. Die über 230.000 mittelständischen Unternehmen des kooperierenden Mittelstandes brauchen sofort eine Lösung für die Überwindung des akuten Liquiditätsengpasses im Zuge der Corona-Krise. Dem Mittelstand geht das Geld aus. Nach der Schließung der Geschäfte haben fast alle Einzelhändler keine Einnahmen mehr, aber die Kosten laufen weiter. Ohne Liquidität ist infolge der von den Behörden angewiesenen Geschäftsschließungen ein Massensterben kleiner und mittlerer Unternehmen unabwendbar. Der Mittelstandsverbund hat daher die „Taskforce Liquidität für den Mittelstand“ ins Leben gerufen, um der Politik zum einen klarzumachen, dass der Handel kurzfristig Liquidität benötigt und dazu die gewöhnlichen KfW-Programme nicht ausreichen, und zum anderen die Verbundgruppen als in dieser Situation systemrelevante Verteilzentren ins Spiel gebracht, um die Liquidität schnell dorthin zu bringen, wo sie benötigt wird.

möbel kultur: Sehen Sie die Probleme verstärkt für die Großfläche und die Filialisten oder eher für die kleinen Mittelständler? Oder trifft es im Grunde alle gleich stark?

Dr. Marc Zgaga: Die Großfläche ist in der Krise aufgrund der speziellen Kostenstruktur sicherlich in besonderem Maße betroffen. Im Ergebnis wirkt sich die Schließung der stationären Geschäfte aber auf alle Betriebstypen und -Größen aus. 

möbel kultur: Was erwarten Sie jetzt von der Politik? Und was bietet die Politik schon an konkreten Hilfen für den Einrichtungsfachhandel?

Dr. Marc Zgaga: Der Mittelstandsverbund fordert die politischen Entscheidungsträger dazu auf, schnell zu handeln und für die von den Banken und Sparkassen ausgereichten Überbrückungskredite eine vollständige Haftungsübernahme (100%) durch die KfW sicherzustellen. Die geforderten Erleichterungen der Bundesregierung wie das Kurzarbeitergeld, die Möglichkeiten der Steuerstundung und weitere Maßnahmen werden zwar nach und nach umgesetzt, jedoch ist mehr Tempo gefragt. Die von Bund und Ländern auf den Weg gebrachten Rettungsprogramme für den Mittelstand sind vielversprechend. Allerdings drohen die Liquiditätshilfen durch die Überlastung der Fördereinrichtungen durch hunderttausendfachen Massenansturm nicht schnell genug dort anzukommen, wo sie wirklich gebraucht werden. Das könnte trotz bester Absichten große Teile des Mittelstandes, der jetzt am Wirtschaftsprozess nicht mehr teilnehmen kann, austrocknen mit der Folge eines Massensterbens.

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