Einen leicht auf 34,5 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz für 2020 konnte BVDM-Geschäftsführer Christian Haeser heute auf der virtuellen Pressekonferenz in Köln bekanntgeben.

BVDM

Mit einem blauen Auge davongekommen

Mit einem Jahresbruttoumsatz von rund 34,5 Mrd. Euro wird der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel im Jahr 2020 den des Vorjahres aller Voraussicht nach trotz Corona leicht übertreffen. Damit sei der Handel mit einem blauen Auge davongekommen, so Christian Haeser, Geschäftsführer des Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) heute auf der virtuellen Pressekonferenz. Eigene Hochrechnungen auf Basis der ersten zehn Monate 2020, die mit dem IFH Köln abgestimmt wurden, liegen dem Ergebnis zugrunde. Als Wachstumstreiber geht der Küchenmarkt aus der Krise hervor, und auch der Onlinehandel war 2020 ein klarer Profiteur. Für 2021 erwartet Haeser eine relativ stabile Nachfrage, die allerdings vom weiteren Pandemiegeschehen abhängig ist. Er betonte noch einmal, wie schmerzlich die unvermeidbare Absage der „imm cologne“ und LivingKitchen für die Mitglieder gewesen sei, denn „eine stabile und starke Messewirtschaft ist der Garant für ein erfolgreiches B2B- und B2C-Business."

Corona prägte 2020 und sorgte durch die Lockdowns zur Pandemiebekämpfung für viele Ups und Downs. Der Wohnungsbau, einer der wichtigsten Indikatoren für die Möbelbranche, dürfte laut Bauindustrie und ZDB am besten durch die Corona-Krise kommen und 2020 ein nominales Umsatzwachstum von 4 Prozent erreichen, das 2021 mit 3 Prozent nur geringfügig niedriger ausfallen dürfte. Mit einem Umsatz von 52,6 Mrd. Euro wird der Wohnungsbau auch 2021 die wichtigste Bausparte bleiben. Der Druck auf die Wohnungsmärkte in den Ballungsgebieten hat sich nicht abgeschwächt. Aufgrund des durch Corona gestärkten Trends zum Homeoffice scheint eine eigene Immobilie noch erstrebenswerter. Hinzu kommt, dass nach wie vor äußerst niedrige Zinsniveau.

Nach dem ersten Lockdown verspürten Kunden einen großen Nachholbedarf, sodass der Umsatzrückgang bei Möbeln und Küchen, der im Frühjahr bei rund 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr lag, über den Sommer hinweg wieder aufgeholt werden konnte. Da Urlaub unmöglich war, stand Budget für größere Anschaffungen im Bereich Küche und Wohnmöbel zur Verfügung. Trends wie Cocooning und das Arbeiten in den eigenen vier Wänden verstärkten diesen Effekt. Hinzu kommt, so Haeser, dass für den Verbraucher Themen wie Nachhaltigkeit, Qualität, natürliche Materialien und Langlebigkeit zunehmend kaufentscheidende Argumente sind, die einen höheren Anschaffungspreis legitimieren. Gerade bei hochpreisigen Gütern habe sich die zeitlich begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer positiv auf die Kaufentscheidung ausgewirkt. In der hochpreisigen Lage ließen sich dadurch mehrere 100 Euro beim Möbel-/Küchenkauf sparen. Diese Trends, die erhöhte Verweildauer im Eigenheim, die Verlagerung des Budgets vom Tourismus zur Einrichtung und die staatlichen Hilfsmaßnahmen wirkten sich äußerst positiv auf die Möbelbranche aus. Das Umsatzwachstum lag bei rund einem Prozent, doch dem stehen erhöhte Kosten, beispielsweise erhöhte Logistikausgaben, entgegen. Somit ist der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel weder Gewinner noch Verlierer des Coronajahres.

Ganz klar ein Gewinner ist laut IFH 2020 der Küchenmarkt. Küchen sind der größte Ausgabenblock in deutschen Eigenheimen. Für den Bereich Küche wurde 2020 ein Wachstum von rund 8 Prozent erzielt; was zu einem Marktanteil von 39 Prozent führt (Küche inkl. Elektrogeräte).

Der BVDM rechnet in diesem Jahr mit einem stagnierenden bis leichten Anstieg bei den Umsätzen im Segment der Polstermöbel. Der Marktanteil liegt weiterhin bei rund 18 Prozent. Der Marktanteil von Schlafzimmermöbeln und Wohnmöbeln liegt konstant bei 8 Prozent bzw. 6 Prozent.

Das Onlinevolumen im deutschen Handel wird laut IFH im Jahr 2020 zwischen 80 und 88 Mrd. Euro betragen, womit das Wachstum sich im Vergleich zum Vorjahr mindestens verdoppelt hat. Der Onlineanteil am Einzelhandelsumsatz wird 2024 laut IFH somit in der Trendrechnung bei 16,5 Prozent liegen und kann bei zunehmender Dynamik bis auf 19,4 Prozent ansteigen. Die Ausprägung in den einzelnen Branchen unterscheidet sich hierbei. Der Onlinehandel ist klarer Profiteur der Coronakrise. Neben dem reinen Onlineversandhandel hat auch „Click & Collect“ zugelegt. Ein wichtiger Grund ist die Flexibilität bei der Abholung der Ware und auch die Möglichkeit mit anderen Einkäufen die Abholung zu verbinden. Zudem entfallen hier die Versand-/Speditionskosten, der Kunde kann seine Ware direkt mitnehmen. Laut Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) haben bereits im Jahr 2018 die Hälfte der „Click & Collect“-Nutzer zwei- bis fünfmal auf diese Weise eingekauft. Dieser Trend hat sich während der Schließung der Geschäfte verstärkt.

Der Trend zum Wohnen & Einrichten genießt in Deutschland weiterhin einen sehr hohen Stellenwert. Die Branche geht ohne große Verluste aus dem bisherigen Pandemieverlauf hervor. Der stationäre Handel wird digitaler werden müssen! Künftig wird eine hybride Mischform unerlässlich sein. Virtual- und Augmented Reality gewinnen als Beratungs- und Planungstools immer mehr an Bedeutung. Dennoch besteht, so das Ergebnis einer internen Mitgliederbefragung, bei einem beachtlichen Teil der stationären KMU-Möbelhändler ein hoher digitaler Nachholbedarf! Der Konsum wird weiter vom Infektionsgeschehen bestimmt. Das Konsumklima bleibt gedämpft und die Sparneigung steigt. Trotz finanzielle Hilfspakete seitens der Bundesregierung schätzt der BVDM das Risiko zusätzlicher Insolvenzen als hoch ein. Und bestenfalls stagnierende Auftragseingänge erwartet der BVDM, wenn die Impfungen voranschreiten und das Reisen durch Europa wieder möglich wird.

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