Hans Theo Baumann, Glasgefäße, 1960er Jahre, Gral-Glashütte, Dürnau Foto: Die Neue Sammlung - The International Design Museum Munich (A. Laurenzo)

Pinakothek der Moderne

Magisches Beispiel Deutschen Designs

Mitte der 90er Jahre kam das endgültige Aus - doch ein halbes Jahrhundert lang gehörte die Gral-Glashütte zu den führenden deutschen Glasmanufakturen des 20. Jahrhunderts. Mit der Ausstellung "Gralglas. 1930 bis 1981. Ein Beispiel des Deutschen Designs" zeigt die Münchner Pinakothek der Moderne die magische Anziehungskraft der leuchtenden Glasgefäße, entstanden am Firmensitz in Dürnau.

Den Idealen des Deutschen Werkbundes entsprechend und beeinflusst durch den modernen Stil der nordischen Ländern, wandelte sich Gralglas in der Nachkriegszeit zur eigenständigen Glashütte. Die Gläser standen mit ihrer hohen Qualität, dekorlosen Sachlichkeit, klaren Funktionalität und dem bezahlbaren Preis symbolhaft für die Gute Form. Schon bald gehörten sie zur Ausstattung repräsentativer Amtssitze der noch jungen Bundesrepublik. In Anspruch und Haltung international vergleichbar sind etwa die Glasunternehmen Daum in Frankreich, Iittala in Finnland, Orrefors in Schweden, Leerdam in den Niederlanden, Riedel in ísterreich, Rosenthal in Deutschland oder Venini in Italien, mit denen sich Gralglas in der "Gruppe 21" vernetzte.

Mit Unterstützung von Wilhelm von Eiff, einem der wichtigsten Glaskünstler der Moderne, entwickelten sich die Gral-Glas-Werkstätten in Göppingen bis zum 2. Weltkrieg zum fortschrittlichsten Veredelungsbetrieb für Schliff und Gravur. Für den neuen Stil bei Gral waren externe Industrie-Designer, Künstler und internationale Glasspezialisten verantwortlich, u.a. Hans Theo Baumann und Hartmut Esslinger oder Muraneser Glaskünstler wie Livio Seguso. Neben dem seriellen Gebrauchsglas zeugen künstlerische Unikate von dem gestalterischen Anspruch, dem handwerklichen Geschick und der technischen Experimentierfreude.

Ergänzt durch Entwurfszeichnungen, die den Blick auf den Designprozess erweitern, geben in dieser ersten umfassenden Retrospektive (vom 1. Juli bis 18. September 2011) ausgewählte Beispiele den Facettenreichtum der Gral-Glashütte wieder.

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