Dr. Lucas Heumann (links) und Stefan Waldenmaier

VdDK

Küchenmöbelindustrie wächst verhalten

Auf der heutigen Jahrespressekonferenz fasste Stefan Waldenmaier, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK e.V.), die wirtschaftliche Situation der deutschen Küchenmöbelindustrie in folgenden „Schlagzeilen“ zusammen: Branchenzweig weiterhin auf Wachstumskurs – Abschwächung des Wachstums erwartet – steigende Exportquote über 40 Prozent bestätigt führende Rolle im internationalen Wettbewerb.

2019 begann für die deutsche Küchenmöbelindustrie vor dem Hintergrund einer äußerst volatilen Entwicklung im Vorjahr. Denn 2018 war nach einem starken Wachstum im ersten Halbjahr ein deutlicher Rückgang der Auftragseingänge im 2. Halbjahr gefolgt. Durch hohe Auftragsbestände in den Unternehmen noch bis zum Ende des ersten Halbjahres 2018 hatte sich der eingangs genannte Auftragsrückgang allerdings umsatzseitig kaum ausgewirkt. So konnte die deutsche Küchenmöbelindustrie das Jahr 2018 mit einem erfreulichen Umsatzwachstum von plus 5,5 Prozent abschließen.

Diese Entwicklung hat sich 2019 abgeschwächt: Im ersten Halbjahr realisierte die Branche ein nur leichtes Umsatzwachstum von per 30.6.2019 in Höhe von plus 1,4 Prozent. Dabei war die Situation in den einzelnen Monate nach wie vor recht wechselhaft – die Umsatzentwicklung lag so im Extremfall zwischen plus 17,4 Prozent im Mai und minus 12,6 Prozent im Juni 2019.

Wie schon im Vorjahr entwickelte sich das Auslandsgeschäft dabei erneut besser als das Inlandsgeschäft. Per 30. Juni 2019 lag der Umsatzzuwachs im Auslandsgeschäft bei plus 3,8 Prozent, während das im Inlandsgeschäft um minus 0,2 Prozent zurückgegangen ist. Innerhalb der Zielregionen im Export dominiert weiterhin die Euro-Zone. Hier konnte der Umsatzzuwachs sogar um plus 5,5 Prozent gesteigert werden, was in Anbetracht von Rezessionserscheinungen in einzelnen Ländern der Euro-Zone außerordentlich bemerkenswert ist.

Damit konnte die deutsche Küchenmöbelindustrie ihre führende Rolle in Europa nicht nur bestätigen sondern ausgebauen. Als einzige Sparte der Möbelindustrie realisiert sie dauerhaft eine Exportquote von über 40 Prozent – per 30.06.2019 lag die Exportquote bei 41,5 Prozent.

Ein differenziertes Bild ergibt sich bei Betrachtung der Entwicklung in einzelnen Exportmärkten. So konnten die Ausfuhren in die vier wichtigsten Absatzgebiete durchgängig gesteigert werden. Die Umsätze der deutschen Küchenmöbelindustrie in den wichtigsten Auslandsmarkt Frankreich konnten im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um plus 7,5 Prozent gesteigert werden, in die in der Bedeutung folgenden Niederlande um plus 4,7 Prozent in die USA um plus 2,5 Prozent, nach Österreich um plus 1,3 Prozent.

Umsatzverluste musste der Branchenzweig demgegenüber bei den Ausfuhren nach Belgien, in die Schweiz, nach Großbritannien und China hinnehmen. Die Ursachen dieser Rückgänge sind verschieden. Was die Schweiz angeht, wurde die außergewöhnlich positive Entwicklung der Vorjahre befeuert durch vorgezogene Käufe wegen Preisvorteilen aufgrund des Wechselkurses zwischen Schweizer Franken und Euro. Diese „Vermarktungsförderung“ ist jetzt gewissermaßen verbraucht. Bei Großbritannien hinterlässt der bevorstehende Brexit Spuren; der Markt Chinas ist von einer insgesamt rückläufigen Dynamik gekennzeichnet.

Die Export-Rückgänge in die genannten Länder sind allerdings verkraftbar, da der Stellenwert dieser Regionen für das Auslandsgeschäft nur eine begrenzte Wirkung entfaltet. In die Volksrepublik China mit ihren 1,4 Milliarden Einwohnern wurden im 1. Halbjahr 2019 beispielsweise Küchenmöbel in einem Gesamtwert von 33,9 Millionen Euro exportiert. Das ist allerdings nur ein Drittel des Exports, den die deutsche Küchenmöbelindustrie mit Österreich mit knapp 9 Millionen Konsumenten realisiert – auf die Einwohnerzahl bezogen also der 470-fache Umsatz!

Unverändert keine Rolle spielen hingegen die Einfuhren ausländischer Küchenmöbelhersteller in den deutschen Markt. Diese sind im 1. Halbjahr 2019, trotz eines bereits extrem niedrigen Niveaus, weiterhin gesunken und zwar um minus 7,6 Prozent. Damit ist die deutsche Küchenmöbelindustrie diejenige Teilbranche des Möbelsektors mit dem höchsten Außenhandelsüberschuss. Dieser beträgt im 1. Halbjahr 2019 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres 1.019 Mio. Euro, was einem Zuwachs des Außenhandelsüberschusses von plus 1,98 Prozent entspricht.

Als positiv bewertet der Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie auch die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in der heimischen Küchenmöbelindustrie. Per 30.06.2019 stiegen die Beschäftigtenzahlen um plus 6,6 Prozent.

Für die künftige Entwicklung ist der VdDK vorsichtig, denn momentan scheinen sich die Rahmenbedingungen, zum Beispiel in der Baubranche,  zu verschlechtern.

Dies spiegelt sich nach Angaben des VdDK auch in der internen Verbandsstatistik zu den Auftragseingängen wider. So ist die Entwicklung der Auftragseingänge 2019 zwar weiterhin positiv, allerdings schwächelnd. Die Zuwächse sind von plus 8,7 Prozent im Januar unter Schwankungen bis August auf plus 3,1 Prozent zurückgegangen.

Dass die Ursache für diese Entwicklung im Wesentlichen in einer abflauenden Konjunktur in vielen Exportregionen der deutschen Küchenmöbelindustrie liegt, zeigt die Entwicklung der Auftragseingänge bezogen auf Durchschnittspreise – gesplittet nach In- und Ausland: Im Inland war die Volumenentwicklung schlechter als die Entwicklung der Auftragseingänge in Euro, was steigende Durchschnittspreise bedeutet. Im Auslandsgeschäft jedoch ist es genau umgekehrt.

Für das 2. Halbjahr 2019 prognostiziert der VdDK eine schwächere Konjunktur aufgrund einer rückläufigen Entwicklung im Auslandsgeschäft. Im Ergebnis erwartet der Interessensverband der deutschen Küchenmöbelindustrie trotzdem weiteres Wachstum per 31.12.2019 für den Branchenzweig in einer Größenordnung von circa zwei Prozent.

Diese Seite teilen