Kika/Leiner

Kreditversicherer sorgen für große Probleme

Kika/Leiner kommt nicht zur Ruhe: Sechs Monate nach Beginn der Krise bei Konzernmutter Steinhoff und trotz einer Geldspritze in Höhe von 100 Mio. Euro, die der Einrichtungskette eine längere Atempause verschaffen sollte, spitzt sich die Lage wieder dramatisch zu, wie die österreichische Zeitung „Der Standard“ jetzt berichtet.

Auslöser seien große Kreditversicherer. Sie entschieden Freitagnachmittag einhellig, etwaige Forderungsausfälle für Lieferanten nicht mehr abzusichern. Betroffen ist laut dem Zeitungsbericht die gesamte Steinhoff-Gruppe weltweit, bestätigt Kika-Leiner-Sprecherin Sonja Felber. Man werde umgehend intensive Gespräche mit den Versicherern und Lieferanten aufnehmen, sagte Geschäftsführer Gunnar George in einer ersten Reaktion. Er werde mit seinen Mitarbeitern für eine "tragfähige Lösung für Österreich" kämpfen. Für die Industrie hat die Causa schwerwiegende Folgen: Sie hat bei der Belieferung von Kika/Leiner ab Montag kein Sicherheitsnetz mehr, heißt es in dem Bericht weiter. Es sei denn, der Konzern zahle im Voraus, was jedoch schwer zu bewältigen sei. Das Unternehmen unterzieht sich einem scharfen Sparkurs. Zudem stehen im Juni die Urlaubsgelder der Beschäftigten an. Von 30 bis 50 Mio. Euro ist in der Branche die Rede, die Kika/Leiner aufbringen müsste, um keine Engpässe zu riskieren. Diese könnte auch bei Waren drohen, die Kunden bestellt haben und für die Anzahlungen geleistet wurden.

Kreditversicherer sichern die Geschäfte der Lieferanten ab. Vor allem für große Produzenten sind sie unerlässlich, keine Lieferung läuft ohne sie. Für Kika/Leiner galt im vergangenen halben Jahr aufgrund der widrigen finanziellen Lage eine Spezialregelung. Statt für wie sonst üblich 100 Prozent der Ausfälle seien die Versicherer für 75 Prozent der offenen Forderungen gerade gestanden. Ein Risiko, mit dem die meisten Partner der Gruppe leben konnten. Doch damit ist nun Schluss. Kika/Leiner muss ab sofort evaluieren, wie es operativ weiter geht. Auf dem Spiel stehen laut „Der Standard“ nicht nur die mehr als 5000 Arbeitsplätze der Gruppe. Auch bei Lieferanten der Österreicher hängen hunderte Jobs vom Marktriesen ab. Von den Folgen für Steinhoff, weltweit die Nummer zwei im Möbelhandel, nicht zu reden. Für viele Geschäftspartner kam die Notbremse der Versicherer Ende der Woche "überraschend und unverständlich": Kika/Leiner habe stets pünktlich gezahlt, sagte ein internationaler Produzent dem Standard, der sich an keinen ähnlichen Fall in dieser Dimension erinnern kann.

Angesichts der Widrigkeiten, die Gunnar George zufolge nicht hausgemacht seien, mehren sich nun Spekulationen über einen Verkauf von Kika/Leiner an große deutsche Konkurrenten. Verhandlungen mit finanzkräftigeren Eigentümern als Steinhoff sollen bereits im Gange sein.

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