Was Verbraucher:innen sich von Innenstädten wünschen, förderte eine aktuelle Studie des IFH Köln zutage.

IFH Köln

In NRW-Städten hat der lokale Einzelhandel großes Potenzial

Während der Onlinehandel boomt, kommen immer weniger Menschen in die Städte – eine Entwicklung, die auch schon vor der Corona-Pandemie zu beobachten war. Dennoch hat der stationäre Einzelhandel im größten deutschen Bundesland großes Potenzial, wenn multifunktionale Zentren geschaffen werden – so das Ergebnis des IFH Köln in der für das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE) durchgeführten Studie „Zukunft des Handels – Zukunft der Städte“, in die unter anderem mehr als 26.000 Bürgermeinungen eingeflossen sind.

„Einzelhandel, Städte und Kommunen stehen vor großen Herausforderungen. Verbraucherinnen und Verbraucher in Nordrhein-Westfalen verbinden jedoch mit dem Handel in ihren Innenstädten, Quartieren, Orts- und Stadtteilzentren Lebensqualität, Wohnortattraktivität und Heimatgefühl und haben ein großes Interesse daran, Innenstädte als lebendige Begegnungsorte zu erhalten“, ist sich Innovations- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart sicher. Die Studie zeige, dass die Zentren in Nordrhein-Westfalen großes Potenzial haben, das es zu aktivieren gelte: mit kreativen Konzepten und dem Willen, Veränderung aktiv zu gestalten.

Helfen können dabei digitale Technologien, Medien und alternative Vertriebsformen. Digitale Alltagsbegleiter können beispielsweise Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Mehrwert bieten.

Der Onlinehandel konnte in Nordrhein-Westfalen 2020 um mehr als 20 Prozent zulegen und hatte damit einen Anteil am Gesamthandel von knapp 13 Prozent. Dieser Wert könnte nach aktuellen Hochrechnungen des IFH Köln bis 2030 auf bis zu 26 Prozent steigen. Der Onlineboom zeigt sich ebenfalls in den Besucherfrequenzen der Städte, die im vergangenen Jahr – auch coronabedingt – um 30 Prozent zurückgingen. Aber: In Nordrhein-Westfalen wird gerne stationär eingekauft. Die Bevölkerung setzt sich in weiten Teilen aus „selektiven Onlineshopper:innen“ (64 %), die je nach Produkt und Situation zwischen Online- und Offlinekanälen wechseln, sowie nicht (gerne) im Internet einkaufenden „traditionellen Handelskäufer:innen“ (18 %) zusammen.

Der Handel allein kann kein Garant für belebte Innenstädte sein – auch andere Besuchsmotive müssen angesprochen werden. Der Wunsch der Konsument:innen: Die Kombination verschiedener Nutzungsarten, wie Handel, Gastronomie, Freizeit-, Kultur-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Bemerkenswert: Ortsgrößenübergreifend wird (konsumfreien) Verweil-, Freizeit- und Interaktionszonen und Wohnen eine hohe Bedeutung zugemessen. „Die innerstädtischen Zentren in NRW müssen sich gemäß den Anforderungen, Interessen und Verhaltensweisen der Konsumentinnen und Konsumenten weiterentwickeln. Vielerorts ist dazu ein Paradigmenwechsel erforderlich: Weg von der Angebotsorientierung und hin zur Kundenzentrierung mit ihrer strikten Nachfrage- und Zielgruppenorientierung. Gleichzeitig hat damit das Zeitalter für Erprobung neuer lokaler Geschäftsmodelle begonnen. Traut Euch, neue Wege zu gehen, möchte man allen Akteuren und Kommunen zurufen. Wichtig ist das Lernen und der offene Dialog zu Erfahrungen“, appelliert Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln.

Der enorme Handlungsdruck durch die vielerorts zunehmenden Leerstände in den Stadtzentren Nordrhein-Westfalens – die durchschnittliche Leerstandsquote lag 2020 zwischen sieben und zehn Prozent – erfordert ein Neudenken der politischen Maßnahmen mit einer flexiblen Handhabung. Dazu gilt es, dass Städte mit Handel und anderen Standortakteuren wie Immobilieneigentümern, Gastronomie, Tourismus, Freizeit-, Kultur-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, sowie den Bürgerinnen und Bürgern zusammen agieren. Die Aufforderung an die Städte: Aktives Gestalten multifunktionaler Standorte mit neuen Möglichkeiten und Perspektiven.

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