Steinhoff

Führungsriege soll Bilanzen jahrelang frisiert haben

Skandale und kein Ende: Beim schwer angeschlagenen Möbelriesen Steinhoff soll die Führungsriege seit Jahren die Bilanzen frisiert haben. Dies berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch. Die verantwortlichen Manager haben demnach überhöhte Umsätze gebucht, die Bilanzen aufgepumpt und damit Investoren, Banken und die eigenen Wirtschaftsprüfer hinters Licht geführt. Im Mittelpunkt dieser Anschuldigungen steht wenig überraschend der ehemalige CEO Markus Jooste, der aktuell abgetaucht ist.

Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung zeigen auf, dass die mutmaßlichen Manipulationen noch deutlich weiter zurückreichen als bislang angenommen. Interne Mails zeigen dabei detailliert, wie hochrangige deutsche Steinhoff-Manager mutmaßlich daran beteiligt waren, die Konzernzahlen entgegen der wirtschaftlichen Realität des Unternehmens zu frisieren. Dieser Mailverkehr lässt außerdem darauf schließen, dass die Manipulationen noch mehr Geschäftsjahre betreffen, als Steinhoff zugegeben hat. Jooste habe sich Berichten zufolge bereits im Sommer 2014 mit einem amtierenden und einem früheren Steinhoff-Manager aus Deutschland über Posten in der Konzernbilanz für das damals laufende Geschäftsjahr beraten.

Markus Jooste soll unter anderem die Anweisung gegeben haben, eine ganze Reihe von Positionen zu verbuchen, um die wirtschaftliche Lage des Konzerns verfälschen zu können – darunter eine zusätzliche Einnahme von 100 Mio. Euro bei einem Tochterunternehmen, um den Gewinn anzupassen. Ein bereits aus dem Konzern ausgeschiedener Kollege habe schon zum damaligen Zeitpunkt Bedenken geäußert, wie diese Verschiebungen wieder ausgemerzt werden sollen.

Steinhoff hatte den Ende 2017 zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Markus Jooste kürzlich bei der in Südafrika unter anderem für organisierte Kriminalität zuständigen Elite-Polizeieinheit „Hawks“ angezeigt. Das erklärte die amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Heather Sonn in einer Parlamentsanhörung in Kapstadt. In Südafrika ermittelt auch die Finanzaufsicht FSB wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Konkret handele es sich dabei um zwei Fälle sowie um einen wegen falscher oder irreführender Aussagen zu Steinhoff, erklärte die FSB in einer Mitteilung.

Dass Steinhoff bei all diesen Turbulenzen und Skandalen – auch die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Manager wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung von Bilanzen, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung – noch immer keinen Jahresabschluss für 2017 vorgelegt hat, überrascht mittlerweile kaum noch.

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