Mag. Christian Wimmer, Geschäftsführer von Service & More, fordert mehr Mut von der Regierung. Foto: Service & More/Felix Büchele

Service & More

Fachkräftemangel mindert die Produktivität der Händler

Das Corona-Jahr 2020 ist an der österreichischen Einrichtungsbranche nicht spurlos vorübergegangen. Wie Service & More unter Berufung auf aktuelle Zahlen der KMU Forschung Austria mitteilte, ist der stationäre Einzelhandel mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen im Jahr 2020 nominell um 12,2 Prozent gesunken.

„Das Vorjahr war natürlich auch für unsere Branche unheimlich herausfordernd. Allerdings kam den Raumausstattern und Möbelhändlern zugute, dass viele Menschen sich der Aus- oder Neugestaltung der eigenen vier Wände widmeten. So das Geld vorhanden war oder vom Urlaub zur Einrichtung umgeschichtet wurde, spielte die ,Heimzeit‘ unseren Partnern durchaus in die Karten“, erklärt Mag. Christian Wimmer, Geschäftsführer von Service & More, der größten Einkaufs- und Dienstleistungsorganisation für KMUs im österreichischen Einrichtungsfachhandel. So konnten die 292 Mitglieder, die in den von Service & More betreuten Verbänden Garant Austria und Wohnunion tätig sind, mit einem gemeinsamen Verkaufsumsatz von 466 Mio. Euro im Pandemiejahr 2020 beinahe das Rekordergebnis von 2019 erreichen. „Anlass zum Jubeln ist das aber nicht, wenn man in die Zukunft blickt.“

So berechnet Wimmer, dass wenn bei dem Umsatz von 250 Arbeitstagen ausgegangen wird, die Unternehmen täglich einen Umsatz von 2,2 Mio. Euro inklusive Umsatzsteuer erzielten. Allerdings blieben im Pandemiejahr die Türen im Handel an 60 Tagen geschlossen. Trotzdem musste aber die Arbeit vor Ort bei den Kunden dennoch getan werden. „Für unsere Mitglieder bedeutet das eine Erhöhung der zu erbringenden Leistung um 22 Prozent an den handelsoffenen Tagen! Das ist enorm, wenn man bedenkt, unter welchen Hygienebestimmungen und -auflagen das erfolgen musste und muss – vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass hier familiengeführte Klein- und Mittelbetriebe betroffen sind“, führt er fort. Denn auch wenn die Beratungen und Planungen kontaktlos online erfolgen können, fehlen die Öffnungszeiten dennoch im Verkauf, in der Montage und generell in der praktischen Umsetzung bei den Kunden vor Ort. Um nach der Wiedereröffnung alle Aufträge zu schaffen, müssten die Mitarbeiter rund um die Uhr arbeiten.
 
Die Unternehmen benötigen dringend Fachkräfte wie Tischler, Elektriker sowie Monteure, um die Aufträge zu bewältigen, jedoch seien diese kaum zu finden. „Wir sind ja nicht die einzigen, die unter Fachkräftemangel leiden. Es ist unverständlich, dass die Politik hier nicht und nicht tätig wird. Handwerk muss wieder golden werden! Im monetären Sinne betrifft das leistungsgerechte gute Bezahlung, aber vor allem müssen Ausbildung und die Anerkennung in der breiten Öffentlichkeit verbessert werden“, betont Wimmer. Spätestens wenn die öffentliche Hand wieder mehr investiert, um die Konjunktur anzukurbeln, werde sich der Personalmangel noch massiver verschärfen.

„Jetzt ist es an der Zeit, dass auch seitens der Regierung mehr Mut spürbar wird. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten sollte sie die Notwendigkeit von Tests und Impfungen wesentlich klarer kommunizieren und gegebenenfalls auch mit Konsequenzen verbinden. Jede und jeder von uns trägt die Verantwortung, andere zu schützen“, so Wimmer. Gleichzeitig wünscht er sich eine Eindeutigkeit beim Lockdown. Denn das „Tür-auf-Tür-zu-Spiel werde nicht mehr lange funktionieren. Seiner Meinung nach wäre ein Lockdown so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich die bessere Alternative. „Denn „Nach dem Lockdown ist vor dem Lockdown“ wird auch der erfolgreichste Händler nicht noch unzählige weitere Male überstehen!“
 

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