Die Aussteller der ersten Stunde wurden auf der 50. Heimtextil geehrt.

Heimtextil

Etwas weniger, aber dafür zufriedenere Besucher

Qualität über Quantität: Die 50. Heimtextil lieferte starke Impulse für die neue Einrichtungssaison. Nachhaltigkeit avancierte dabei, wie Freitag schon kurz berichtet, zum alles überstrahlenden Top-Thema. 63.000 Besucher informierten sich bei den 2.952 Austellern auf der weltweit führenden Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien über die großen Themen der internationalen Branche. Wie erwartet, sorgte insbesondere der einmalig frühe Termin für eine Delle bei den Besucherzahlen (2019 kamen über 67.000).

 

Die immensen Herausforderungen, vor denen die Branche steht, und die auch Heimtextil-Aussteller spüren, sprach Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, an. Dass die Ausstellerzufriedenheit das gute Niveau des Vorjahres erreichte und die Zufriedenheit der Besucher sogar gesteigert werden konnte – von 93 auf 95 Prozent – wertete er als Erfolg. „Neben des frühen Termins liegen die Gründe für den Dämpfer bei den Besucherzahlen vor allem bei der starken Konsolidierung der Fachgeschäfte beziehungsweise bei der Entwicklung vom stationären Handel in Richtung E-Commerce. Auch konjunkturell ist der Trend abgeschwächt“, so Braun. „Dazu passt, dass ganze 34 Prozent unserer Aussteller die aktuelle Branchenkonjunktur als schlecht bewerten, im Vergleich zu gerade mal 18 Prozent im Jahr zuvor.“

Die Jubiläumsausgabe der Heimtextil bot mit über 150 Vorträgen und 30 geführten Messerundgängen das reichhaltigste Event- Programm ihrer Geschichte. Alles überragend: der stark frequentierte „Trend Space“. Unübersehbar nachhaltig konzipiert, bot die Trendinszenierung Sehenswertes am Puls der Zeit. „Wissbegierige Händler, die am Markt etwas bewegen und mit der Zeit gehen, holen hier in Frankfurt ihren Schwung für die neue Saison. Die Heimtextil hat als weltgrößte Messe existentielle Bedeutung für unsere Branche. Es gibt auf keiner Messe eine größere Informationsdichte“, sagt Ottmar Ihling, Sprecher des DecoTeams und zieht ein positives Fazit für die Interessengemeinschaft deutscher Heimtextilanbieter in der Halle 8.0.

„Wir hatten eine tolle Besucherfrequenz im DecoTeam mit qualitativ guter Kundschaft und Delegationen von großen Firmen.“ Auch Peter Gumbel, Geschäftsführer von Aro Artlaender, zieht ein positives Fazit für den Auftritt in Halle 11.0 und verdeutlicht, wie sich die Besucherstruktur der Heimtextil in Richtung internationaler Einkäufer verändert hat: „Alle Kunden, die wir erwartet haben, waren vor Ort. Der deutsche Fachhandel hat zwar etwas gefehlt, aber was den Export angeht, war es eine sehr gute Messe. Im Vergleich zu vor 15 Jahren sind die Einkäuferdelegationen sicher etwas kleiner geworden, allerdings sind die Entscheidungsträger nach wie vor auf der Heimtextil – mit etwas weniger Verweildauer, aber mit sehr konkreten Plänen.“

Ob Start-up oder Traditionsunternehmen – an umweltschonenden Materialien und Produktionsverfahren kommt 2020 kein Hersteller vorbei. Auch große Namen legen Wert auf Textilien aus zertifizierten Materialien und vermeiden Plastikverpackungen. Zu den Vorreitern in Puncto Kreislaufwirtschaft zählt das Krefelder Unternehmen Deco Design Fürus mit der Marke OceanSafe. „Die Heimtextil 2020 war für uns eine außerordentlich erfolgreiche Messe. In den vielen Gesprächen, die wir hier führen konnten, hat sich ganz klar gezeigt: Unsere Kunden können inzwischen sehr gut zwischen Greenwashing und Cradle-to- Cradle-Kreislaufwirtschaft unterscheiden“, bilanziert Manuel Schweizer, CEO von Deco Design Fürus aus der Halle 8.0.

Nochmals gesteigerte Resonanz erfuhr das „Sleep! The Future Forum“, mit dem die Heimtextil geballtes Know-how rund um das Thema Schlafen und spannende Produktinnovationen aus den Bereichen Schlafsystemen, Bettwaren und Bettwäsche lieferte. Auch hier beschäftigten sich Experten mit der Frage, vor welchen Herausforderungen Hersteller stehen, wenn sie nachhaltig agieren und produzieren möchten. Die Panel-Diskussion „Die Zukunft der nächsten Generationen sichern – Nachhaltige Strategien für Hersteller und Handel“ war eines der Highlights des viertägigen Programms. Es zeigte Praxisbeispiele der Firmen Lenzing, Vossen und Ikea auf und stellte dem interessierten Fachpublikum das neue staatliche Textilsiegel „Grüner Knopf“ sowie die weltweiten Nachhaltigkeitsziele der United Nations vor.

Diese Seite teilen