Herbstmesse-Analyse - Teil 2

Eine aufgeladene Möbelmesse in zehn Punkten

Lesen Sie hier den 2. Teil unserer großen Möbelmesse-Analyse, denn die Branche hatte in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Themen zu verarbeiten. Es folgen die Punkte 6 bis 10:

6. Von Shanghai nach Bad Salzuflen: Zum Teil registrierte Finori ganz verblüffende Standbesuche. Haben wir uns nicht gerade in Shanghai gesehen, fragte Geschäftsführer Stefan Finzel einige Gäste und lag damit richtig. Und auch Bega vermeldete einen Fahnenmast-Notstand. Normalerweise wird jede Besuchernation mit ihrer jeweiligen Landesflagge begrüßt. Doch wenn selbst die Malediven mittlerweile nach Lügde kommen, lässt sich der Fahnenmast-Wald nur noch schwer pflegen. Für eine Flugverbindung Shanghai – Paderborn ist es vielleicht noch zu früh. Aber der internationale Besuch nimmt auf den Herbstmessen deutlich zu. Zumal auch die Chinesen die Lage in Deutschland und Kerneuropa checken. Ihr großer Absatzmarkt, die USA, trübt sich mit steigenden Zöllen spürbar ein. Da sind neue Absatzwege attraktiv.

7. Online kauft anders: Der stationäre Handel weiß nach wie vor, wie Möbel auszusehen haben. Eiche, Eiche, Eiche und dann ein bisschen weiß. Tatsächlich war deshalb bei Bega wieder viel Eiche Sonoma zu sehen, aus dem einfachen Grund, weil bis heute noch kein gleichermaßen erfolgreicher Nachfolger gefunden wurde. Vereinzelte Versuche der Industrie für Buche eine Lanze zu brechen, wurden vom Handel schnell vereitelt. „Wir wissen, was der deutsche Kunde möchte.“

Die Onliner gehen komplett anders an die Sache heran: Sie vertrauen dem Lieferanten, dass er die Kompetenz im Möbel-Design hat. Natürlich ist das Internet auch nicht in der Fläche begrenzt, was es einfacher macht, Experimente zu wagen Doch über Instagram und Pinterest schaffen es die Onlineshops dann aber auch für ein entsprechendes Drehmoment zu sorgen. Das Ergebnis dieses unterschiedlichen Einkaufsverhaltens ist aber eindeutig: Vielfalt gibt es im Netz, Uniformität im stationären Handel.

8. Exklusive Überlastung: Der Peak der Exklusivitäten ist überschritten. Kaum zu glauben, aber der Handel verliert mitunter wirklich den Spaß daran. Der Grund ist denkbar einfach: Exklusivität bedeutet auch Verantwortung. Damit eine eigene Kollektion funktioniert, muss der Händler den Verkauf mit einem entsprechenden Marketing befeuern. Zudem droht die Gefahr auf nicht unwesentlichen Resten sitzen zu bleiben, wenn die Serie sich nicht wie erwartet verkauft. Das kann schon stressen. Erst recht, wenn es an die entsprechende Modellentwicklung bei komplexeren Themen, wie den vielen Schienen und Konzepten geht. In den Verbandszentralen sitzen deshalb immer mehr Produktentwickler und -designer sowie entsprechendes Personal im Marketing. Das treibt die Kosten, ist aber nicht in jedem Fall erfolgreicher, als wenn man sich auf Industriemarken verlässt. Die Prognose: Wir werden wieder mehr freie Ware auf dem Markt sehen.

9. Einkauf vs. Konzept: Wer sich auf der M.O.W. nicht den Messetand von Carla & Marge angeschaut hat, hat etwas verpasst. Schnell war das Konzept der Messe-Talk schlechthin. So schön können Möbel also noch sein. Denn die hochwertigen Programme, die Chief Creative Soul Monika Simon aus Indien und anderen Ländern zu stimmigen Wohnkonzepten geschnürt hat, sind zu schön, um wahr zu sein. Leider ist es so, dass die deutschen Einkaufsstrukturen mit einem solchen Wohnkonzept nicht vereinbar sind. Der Polstermöbeleinkäufer kauft nur Polstermöbel ein, der Boutique-Einkäufer nur Fachsortimente, der Wohnmöbeleinkäufer ausschließlich Wohnmöbel. Dabei stimmen sie sich im Regelfall nicht ab, mitunter kommt es sogar zu Konkurrenzsituationen. Dass es auch anders geht, zeigt Ikea, wo die ganzheitliche Sortimentskomposition einen wesentlichen Teil des Erfolgs ausmacht. Die limitierte Sortimentsbetrachtung hingegen macht es einem Konzept wie Carla & Marge schwer in den Handel zu kommen. Obwohl der Endkunde sich doch so sehr nach inspirierenden Wohnwelten sehnt.

10. Neue Kunden: Noch vor einiger Zeit hätte sich kaum ein Lieferant dazu durchgerungen die Lutz-Gruppe nicht zu beliefern. Die Angst vor Auftragsverlusten ist einer gewissen Gelassenheit gewichen, weil sich immer wieder neue Vertriebswege auftun. Aldi war in OWL in den vergangenen Tagen äußert aktiv und versucht den Möbel-Vorsprung von Lidl zu verkleinern. Doch auch die Drogerie-Ketten entdecken den Spaß am Möbel, zunächst im Baby- und Kinderzimmerbereich. Das breite Vertriebsspektrum sorgt dafür, dass kein Lieferant zur Zusammenarbeit mit bestimmten Händlern gezwungen ist. Dabei sind die einstigen Schmuddelkinder, nämlich die Onlinehändler wie Westwing, Wayfair und Home24 mittlerweile besonders beliebt. Strategische Partnerschaften lauern überall – ob im Netz, im Baumarkt oder in der Drogerie. Das hat die M.O.W. ganz deutlich gezeigt.

 

Eine Vertiefung der genannten Themen gibt es in den kommenden Tagen in Oberfranken und in Süddeutschland. Eines ist dabei sicher: Es sind spannende Möbelzeiten!

Wenn Sie den ersten Teil der Analyse lesen wollen, klicken Sie hier.

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