Holger Raithel spricht über Kahlas Zukunft. (Foto: Thüringer Tourismusverband, Peter Eichler)

Kahla

Business mit doppelter Last

Für den Porzellan-Hersteller Kahla hätte es härter kaum kommen können. Erst die Anmeldung der Insolvenz in Eigenverwaltung und dann unmittelbar danach der Corona-Lockdown: Wie geht ein Markenartikler in Thüringen mit dieser doppelten Last um?

Holger Raithel, seit 2005 Geschäftsführender Gesellschafter der Kahla Porzellan GmbH, berichtet, wie sich die Arbeit im Unternehmen in den vergangen Wochen verändert hat: "Wir sind agiler, flexibler, transparenter und digitaler geworden. Eine extrem schnelle Transformation für einen Porzellanhersteller mit beachtlicher Tradition und langjährigen Mitarbeitern! Das Work-Life-Blending, sprich die Vermischung aus Lebens- und Arbeitszeit, wird von den zahlreichen Elternteilen im Unternehmen meist hervorragend gemeistert."

Über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns erzählt Raithel: "Als der Lockdown entschieden wurde, hatten wir noch einen beachtlichen Auftragsüberhang, den wir produzieren konnten. Leider schlossen viele Restaurants, Möbel- und Warenhäuser mit ihren Ladenlokalen ebenso ihre Warenannahme. Allerdings erlebten wir ein starkes Wachstum unserer Online-Umsätze."

Dennoch lasse sich das Minus im Einzelhandel, in den Waren- und Möbelhäusern nur schwer komplett aufholen. "Für Kahla zahlt es sich jetzt aus, dass mein Vater mit der Neugründung das Unternehmen auf vier stabile, internationale Säulen gestellt hat: Haushaltsporzellan, gastronomisches Geschirr, individuelle Werbemittel und Auftragsproduktion. Kahla individualisiert Porzellan mithilfe von patentierten Technologien von einem Stück – Losgröße 1 – bis mehrere Millionen Stück. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, in das wir lange vor Corona investiert haben. Einige Händler und Distributoren zeigen sich äußerst solidarisch und platzieren gerade jetzt neue Aufträge, um uns durch die schwere Zeit zu helfen."

Dass sich die Lieferketten bedingt durch die Corona-Verwerfungen ändern werden, davon ist Raithel überzeugt: "Alle Unternehmen weltweit werden ihre Lieferketten und Geschäftsmodelle in diesen Tagen überprüfen. Wir erhielten Anfragen von Importeuren, die nach Einfuhrschwierigkeiten chinesischer Lieferungen über den Einkauf von in Deutschland gefertigter Qualitätsware nachdenken. Kahla lieferte beispielsweise bisher erfolgreich nach China und Korea. Multifunktionales Design, Sorgfalt und Liebe zum Detail, Tradition und Innovation vereint in einer Marke: Das beeindruckt auch Konsumenten in Fernost. Der barrierefreie, globale Handel bleibt für alle deutschen Hersteller zwingend notwendig."

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